Minimalismus ist bei mine mina kein flüchtiger Trend, sondern ein Versprechen an die Zukunft. Hinter den klaren Linien und dem pflanzlich gegerbten Leder steckt eine Frau, die gelernt hat, dass wahre Stärke oft in der Ruhe liegt. Zum Weltfrauentag haben wir mit der Gründerin über ihren Weg gesprochen – von der Sehnsucht nach dem „Echten“ bis hin zum Mut, mitten in einer Pandemie eine eigene Vision zu verwirklichen.
Wer Maren trifft, spürt eine Frau, die fest mit ihren Werten verwurzelt ist. Ihr persönlicher Ruhepol? Die Familie und das Meer.
Liebe Maren, stell dich doch gerne zuerst einmal vor: Wer bist du, wenn du gerade nicht die Welt von mine mina gestaltest?Was erdet dich im Alltag? Was hat dich schon immer begeistert?
"Ich bin Ehefrau und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Wenn ich nicht an mine mina arbeite, verbringe ich gerne Zeit mit meiner Familie.
Ich lese sehr gerne und liebe es, ganz tief in die Geschichte eines Buches einzutauchen. Auch Reisen sind meine große Leidenschaft. Dabei ist es egal, ob ich an der Nordseeküste oder in Portugal bin. Mir ist es wichtig, auf das Meer zu schauen. Das relativiert so manches und bringt immer wieder neue Gedanken und Ideen.
Ich begeistere mich für schöne Dinge, die langlebig sind und ästhetische und klare Formen und Materialien haben. Ich liebe es, dass ich nicht Modetrends hinterher rennen muss. Nur dadurch habe ich die Möglichkeit, meinen ganz eigenen Stil, meine eigene Wahrnehmung und meine Ideen auszuprobieren und zu leben. "
Inspiration ist oft ein Fundament, das früh gelegt wird. Gibt es eine Frau, die dich besonders geprägt hat?
"Es ist nicht eine einzelne Frau, sondern ein starkes Duo: meine Eltern.Ich wurde als kleines Mädchen schon darin bestärkt, meinen Weg zu gehen, stark, mutig und selbstständig zu sein. Ich habe nie gehört „Das schaffst du nicht!“ Ich habe gelernt, mich auf mich selbst zu verlassen.
Das hat mich zu jemandem gemacht, der weiß, was er will, der aber auch weiß, was er nicht will. Grundsätzlich schätze ich Menschen sehr, die ihren Weg gehen und sich nicht aufhalten lassen."
Der Ursprung: Vom „Aha-Moment“ zur eigenen Marke
mine mina entstand nicht am Reißbrett, sondern aus eine echten Marktlücke und dem Wunsch nach Reduktion. Nach Jahren in der Schuhbranche, in denen Design oft über Funktion siegte, wuchs die Sehnsucht nach der „genau richtigen“ Tasche.
Wie entstand der Entschluss, selbst zu gründen? Gab es diesen einen Moment, der alles verändert hat?
"Wir hatten vor mine mina mit einem sehr hochwertigen amerikanischen Label für Damenschuhe zu tun. Es waren traumhafte Schuhe, zu denen es passende Handtaschen gab. Diese Taschen waren aus hochwertigen Materialien und ebenso hochwertig in Europa verarbeitet. Sie passten zu den Schuhen und sahen großartig aus, aber sie waren zu viel. Zu viel an Material, zu viel an Dekoration, aber zu wenig an Funktion. Das störte mich.
Der entscheidende Moment kam, als die Qualität der Produkte schlechter wurde und wir keinen Einfluss mehr nehmen konnten. Das hat dazu geführt, dass wir es „selbst“ in die Hand nehmen wollten, von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt. Selbst an den „Stellschrauben“ drehen zu können, ist natürlich nicht immer ganz einfach, macht aber unglaublich viel Spaß."
Warum hast du dich ausgerechnet für das Lederhandwerk entschieden und was bedeutet „Qualität“ für dich persönlich?
"Das Lederhandwerk ist ein sehr altes Handwerk und hat eine Jahrhunderte alte Geschichte und Tradition. Leder ist langlebig und ist, genau genommen, ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie. Es entwickelt sich mit der Zeit eine Patina, die es absolut einmalig werden lässt. Eine Tasche erhält dadurch ihren ganz eigenen Charakter.
Qualität bedeutet für mich vor allem Verlässlichkeit. Ein Produkt sollte nicht nur im Moment des Kaufs überzeugen, sondern über viele Jahre hinweg funktionieren. Gute Materialien, sorgfältige Verarbeitung und durchdachtes Design gehören für mich untrennbar zusammen. Qualität zeigt sich auch auf den ersten Blick, aber vor allem im täglichen Gebrauch."
Gab es Momente, in denen du gezweifelt hast? Was hat dir die Kraft gegeben, weiter an deine Idee zu glauben?
Natürlich gab es auch Zweifel. Gerade am Anfang denkt man immer wieder darüber nach, ob die Idee auch wirklich richtig ist. Ich bin von meiner Idee überzeugt und das hat mich motiviert weiterzumachen und immer weiter an der Idee und an der Umsetzung zu arbeiten. Das haben uns ganz viele Menschen bestätigt.
Mit mine mina stand ich anfangs vor einem großen Berg. Ich habe jedoch begriffen: Es ist nicht wichtig, in kürzester Zeit auf den Gipfel zu gelangen. Es ist wichtig, die einzelnen Etappen zu gehen und Etappenziele zu erreichen. Diesen Weg gehe ich kontinuierlich und ich bin noch lange nicht am Ziel.
Was mir geholfen hat, an meine Idee zu glauben, war vor allem die Überzeugung, dass wir etwas Sinnvolles entwickeln. Wenn ich unsere Produkte in der Hand halte oder sehe, dass sie im Alltag wirklich funktionieren, bestätigt mich das immer wieder in dem, was wir tun.
Wichtig war auch, nicht zu schnell auf kurzfristige Trends oder äußeren Druck zu reagieren. Obwohl das manchmal auch schwerfällt. mine mina hat sich Schritt für Schritt entwickelt, und genau das hat mir Sicherheit gegeben.
Und natürlich spielt auch das persönliche Umfeld eine große Rolle. Der Rückhalt durch meine Familie und die Zusammenarbeit mit meinem Mann haben mir immer wieder die Kraft gegeben, weiterzumachen, gerade in Phasen, in denen Dinge länger gedauert haben als geplant.
Zweifel gehören dazu. Entscheidend ist nicht, keine Zweifel zu haben, sondern trotzdem weiterzugehen.
Philosophie & Handwerk: Das Herz schlägt in Portugal
Die Ästhetik von mine mina ist puristisch. Das bedeutet im Business-Alltag oft: Nein sagen zu kurzfristigen Trends, um Platz für das Wesentliche zu schaffen. Gefertigt wird dort, wo Handwerk noch Familiensache ist.
Warum produziert ihr in Portugal und was verbindet euch mit den Menschen vor Ort?
"Wir lieben Portugal und seine Menschen sehr. Sie sind sehr freundlich und bescheiden und sie bringen Handwerk und Erfahrung auf eine natürliche Weise zusammen. Viele Betriebe sind familiengeführt und verfügen über ein Wissen, dass über Generationen weitergegeben wurde. Uns war es wichtig, eng mit den Menschen zusammenzuarbeiten und im ständigen Austausch zu stehen. Das schätzen wir und das spürt man am Ende auch im Produkt.
Über die Jahre ist daraus eine Verbindung entstanden, die weit über eine reine Geschäftsbeziehung hinausgeht."
Minimalismus ist das Herzstück eurer Ästhetik. Aber wie sieht es im Business-Alltag aus – wo fällt dir dieser Verzicht am schwersten und wo am leichtesten?
"Am leichtesten fällt mir Minimalismus im Design. Dort ist die Entscheidung klar: Alles, was keinen echten Zweck erfüllt, gehört nicht dazu. Im Business-Alltag ist das schwieriger. Es gibt viele Gedanken und Ideen, die interessant sind, aber nicht immer zu unserer Marke passen. Der Verzicht besteht dann darin, bewusst Dinge nicht zu tun, auch wenn sie kurzfristig attraktiv erscheinen. Diese Entscheidungen gehören wahrscheinlich zu den wichtigsten, die wir treffen müssen."
Nachhaltigkeit ist heute ein großes Wort. Wie lebt ihr diesen Ansatz ganz bodenständig?
"Für uns bedeutet Nachhaltigkeit vor allem: weniger kaufen, aber besser. Wir entwickeln Taschen, die lange genutzt werden können – sowohl vom Material als auch vom Design her. Hochwertiges Leder, sorgfältige Verarbeitung und zeitlose Formen sorgen dafür, dass eine Tasche nicht nach kurzer Zeit ersetzt werden muss.
Lederreste nutzen wir für kleine Accessoires. Wir haben ein Kern-Sortiment, welches Bestand hat. Es wird mal um eine neue Tasche oder eine neue Farbe ergänzt. Wir halten uns bewusst von ständig neuen Kollektionen fern.
Wir produzieren in Europa, halten die Transportwege kurz, arbeiten eng mit unserem Produzenten zusammen und gehen transparent mit unseren Entscheidungen um. Nachhaltigkeit ist für uns kein einzelnes Versprechen, sondern die Summe vieler kleiner Entscheidungen."
Partnerschaft auf Augenhöhe
Hinter mine mina steht ein Duo, das sich blind vertraut: Die Gründerin und ihr Mann Andreas arbeiten bereits seit 2007 in verschiedenen Projekten eng zusammen. Diese gemeinsamen Jahre waren die perfekte Vorbereitung auf ihr Herzensprojekt mine mina, bei dem sie ihre gegensätzlichen Stärken nun voll einbringen können.
Du führst mine mina gemeinsam mit deinem Mann. Was ist eure große Stärke als Team und welche spezifisch weiblichen Stärken bringst du in dieses Duo ein, die das Business erst so richtig rund machen?
"Über die Jahre hat sich eine sehr eingespielte Zusammenarbeit entwickelt. Die ersten Schritte waren sicherlich noch etwas holpriger, aber heute kennen wir unsere jeweiligen Stärken sehr genau und können uns darauf verlassen. Dieses Vertrauen ist unsere größte Stärke.
Wir ergänzen uns sehr gut, weil wir unterschiedlich denken. Andreas ist eher rational, während ich oft mit viel Begeisterung und neuen Ideen auf Dinge schaue. Ich sehe schnell Möglichkeiten und entwickle gern neue Ansätze, und Andreas hilft dabei, diese Ideen zu prüfen und in eine klare Form zu bringen. Gerade diese Mischung hat sich für uns als sehr wertvoll erwiesen.
Was ich vielleicht als meine spezifische Stärke beschreiben würde, ist ein starkes Gefühl dafür, ob etwas wirklich stimmig ist. Sei es bei einem Produkt, im Design oder in grundsätzlichen Entscheidungen. Ich schaue oft sehr genau hin und versuche, Dinge nicht nur funktional oder wirtschaftlich zu betrachten, sondern auch danach, ob sie langfristig zu uns passen. Ich glaube, genau diese Verbindung aus Struktur und Begeisterung macht unsere Zusammenarbeit aus. Ideen bekommen Raum, werden aber gleichzeitig geerdet und daraus entstehen oft die besten Lösungen."
Verantwortung & Ausblick: Mode mit Substanz
Zum Weltfrauentag blicken wir nicht nur zurück, sondern nach vorn. mine mina ist in der Pandemie gestartet, ein Beweis dafür, dass Krisen auch Geburtsstunden für starke Ideen sein können. In einer Welt, die immer digitaler wird, setzt die Marke auf Substanz und Ehrlichkeit.
Wo siehst du mine mina in fünf Jahren? Gibt es neue Materialien, Designs oder Projekte, auf die du hinarbeitest?
"In fünf Jahren wünsche ich mir, dass mine mina weiterhin für durchdachte Produkte und zeitlose Gestaltung steht. Mir ist wichtig, dass wir uns weiterentwickeln, ohne unsere Haltung zu verlieren. Also nicht schneller zu werden, sondern besser.
Wir arbeiten kontinuierlich an neuen Ideen. Aktuell geht es um ein neues Taschenmodell und neue Accessoires. Das Tasche-in-der-Tasche-Prinzip werden wir sicher weiterentwickeln, weil es unseren Ansatz sehr gut widerspiegelt: Produkte sollen sich flexibel an unterschiedliche Situationen anpassen können.
Auch beim Thema Materialien bleiben wir neugierig. Hochwertiges Leder wird für uns weiterhin eine wichtige Rolle spielen, aber wir arbeiten gerade an einem neuen Material für mine mina. Entscheidend ist für uns immer, dass ein Material nicht nur gut klingt, sondern im Alltag wirklich überzeugt.
Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es, dass mine mina in einigen Jahren ganz selbstverständlich mit zeitloser Qualität und durchdachtem Design verbunden wird – als Marke, der man vertraut."
Was ist dein persönliches Ziel als Unternehmerin?
"Mein Ziel als Unternehmerin ist vor allem, eine Marke aufzubauen, die langfristig Bestand hat. Es geht mir weniger um schnelles Wachstum als darum, Schritt für Schritt etwas zu entwickeln, das von den Produkten bis zu den Werten dahinter in sich stimmig ist.
Gesundes Wachstum ist mir wichtig, weil es die Grundlage dafür ist, gute Entscheidungen treffen zu können. Wenn man nicht ständig unter Druck steht, schneller werden zu müssen, bleibt mehr Raum für Qualität und sorgfältige Entwicklung. Gleichzeitig geht es mir auch darum, eine bestimmte Haltung sichtbar zu machen. Die Idee, dass man nicht immer mehr besitzen muss, sondern bessere Dinge wählen kann, begleitet mine mina von Anfang an. Wenn unsere Produkte dazu beitragen, bewusster zu konsumieren und Dinge länger zu nutzen, dann ist das für mich ein sehr schönes Ergebnis.
Am Ende wünsche ich mir vor allem, dass mine mina als Marke wahrgenommen wird, die ruhig und verlässlich ist und für Produkte steht, von denen man sich gerne lange begleiten lässt."
Die Modebranche ist im Wandel. Wo siehst du die Verantwortung von Gründerinnen heute?
"Ich glaube, Gründerinnen haben heute vor allem die Verantwortung, ehrlich zu sein. Viele Begriffe wie „nachhaltig“, „fair“ oder „umweltfreundlich“ sind in den letzten Jahren sehr oft verwendet worden, manchmal so oft, dass sie an Glaubwürdigkeit verloren haben. Deshalb wird Transparenz immer wichtiger. Kundinnen möchten verstehen, wo ein Produkt herkommt, wie es entsteht und welche Entscheidungen dahinter stehen, auch dann, wenn nicht alles perfekt ist.
Für mich bedeutet Verantwortung auch, nicht oberflächlich, sondern deutlich tiefgründiger zu denken. Produkte sollten so gestaltet sein, dass sie lange genutzt werden können, statt nach kurzer Zeit ersetzt zu werden. Ich glaube, dass die Zukunft weniger im immer schnelleren Produzieren liegt, sondern im bewussteren Umgang mit dem, was bereits existiert.
Gleichzeitig spüre ich bei vielen Menschen eine große Sehnsucht nach etwas Echtem. In einer Zeit, in der vieles digitaler und schneller wird und künstliche Intelligenz immer mehr Bereiche durchdringt, gewinnen Handwerk und echte Materialien eine neue Bedeutung. Dinge, die mit Erfahrung und Sorgfalt entstehen, haben eine andere Wertigkeit als Produkte, die nur auf Effizienz ausgerichtet sind.
Ich denke, die Verantwortung von Gründerinnen liegt genau darin: Produkte zu entwickeln, die Substanz haben und offen darüber zu sprechen, wie sie entstehen."
Welchen Rat würdest du einer Frau geben, die gerade mit dem Gedanken spielt, ihr eigenes „Herzensprojekt“ zu starten?
"Ich würde ihr raten sich Zeit zu nehmen, die eigene Idee wirklich zu verstehen und nicht zu schnell loszulaufen. Ein Herzensprojekt braucht Überzeugung, aber auch Geduld. Vieles dauert länger, als man am Anfang denkt, und es gibt immer wieder Phasen, in denen man neu überlegen oder Dinge anpassen muss. Das gehört einfach dazu.
Wichtig ist auch, sich nicht zu sehr von äußeren Erwartungen oder vermeintlichen Erfolgsrezepten leiten zu lassen. Am Ende muss sich das Projekt stimmig anfühlen, sonst trägt es einen auf Dauer nicht. Und vielleicht noch etwas: Man muss nicht von Anfang an alles perfekt können. Vieles lernt man unterwegs. Entscheidend ist eher die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen."
Wenn du auf die letzten Jahre zurückblickst: Worauf bist du heute am meisten stolz?
"Am meisten stolz bin ich darauf, dass mine mina heute für etwas steht, das sich klar und stimmig anfühlt. Unsere Taschen sind nicht aus schnellen Trends entstanden, sondern aus der Überzeugung, dass gute Produkte Zeit brauchen. In der Entwicklung genauso wie im Gebrauch.
Mich freut besonders, wenn ich sehe, wie selbstverständlich unsere Taschen in den Alltag integriert werden. Genau so habe ich sie mir immer vorgestellt: Unsere Taschen als verlässliche Begleiter, die nicht im Mittelpunkt stehen müssen, aber lange bleiben. Ein Leben lang an deiner Seite.
Ich bin vor allem darauf stolz, dass wir unseren eigenen Weg gegangen sind und eine Marke geschaffen haben, die ruhig ist, aber Substanz hat. Eine Marke, die nicht laut sein muss, um wahrgenommen zu werden und die genau deshalb Bestand haben kann."
Wir danken der Gründerin für diese ehrlichen Einblicke. Bei mine mina geht es um mehr als Design. Es geht um die Entscheidung für Qualität, für das Handwerk und für Produkte, die mit uns wachsen dürfen.